Archiv für den Monat: Dezember 2014

Der größte Fehler ist die Wahl der Eltern

Tolles Interview mit Arbeitsmarktforscher Gerhard Bosch, der darlegt, dass Chancengleichheit in der Bildung oft behauptet wird, aber in der Realität eben nicht existiert. Lesenswert! Neulich habe ich eine Studie gelesen, die darlegt, dass nicht nur, wie bestens bekannt, Arbeiterkinder weniger studieren als Akademikerkinder, sondern darüber hinaus auch noch andere Fächer wählen. Während klassische Fächer wie Medizin und Jura fast nur aus Akademikerfamilien bestückt werden, wählen studierende Arbeiterkinder von sich aus bestimmte Fächer wie Elektroingenieur und Sozialpädagogin. Wenn man sich dann überlegt, wie sich ein Rechtsanwalt in die Problemwelt eines Hartz-IV Mandanten hineindenken soll, das kann wahrscheinlich problematisch sein.

http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/interview-mit-arbeitsmarktforscher-gerhard-bosch-der-groesste-fehler-ist-die-wahl-der-eltern,10808230,29312100.html

 

Politischer Kompass

Oft bin ich erstaunt, wie viele meiner Posts politischen Themen zugeordnet sind, habe ich dies doch beim Start dieses Blogs dies eigentlich nicht so gewollt. Aber, wenn diese Sachverhalte mich so bewegen, dann sei es eben so.

Die Website http://www.politicalcompass.org hat ein zweidimensionales System der politischen Einordnung in den Dimensionen Liberal <-> Autoritär und Links <-> Rechts, das zum Beispiel für die Bundestagswahl 2013 zu diesem Ergebnis kommt:

http://www.politicalcompass.org/germany2013

Bundestagswahl 2013. Quelle http://www.politicalcompass.org/germany2013

Die Seite erklärt dort auch die Ergebnisse auf Englisch und Deutsch und macht die Untersuchung für viele Länder.

Interessant besonders auch ein sechs-seitiger, anonymer Test, wo man seine eigene Position anhand der Meinung zu Fragen prüfen kann. Habe ich gemacht, passt auch ganz gut zu meiner eigenen Einschätzung. Das Ergebnis verrate ich aber hier nicht 😉

Gewerkschaft erzielt Mindestlohn + 0,01 €

Heute hat der Bayerische Rundfunk die folgende Nachricht getextet:

Mitarbeiter von Schnellrestaurants bekommen mehr Geld

Berlin: Die Beschäftigten von Mc Donald’s, Burger King und anderen Schnell-Restaurants bekommen mehr Geld. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einigte sich in der Nacht mit dem Bundesverband der System-Gastronomie auf einen Tarifvertrag für zwei Jahre. Künftig verdient jeder Mitarbeiter mindestens 8,51 Euro in der Stunde – das ist rund ein Euro mehr als bisher.

Klingt sehr Positiv, oder? Der DLF spricht zusätzlich noch von „langen Verhandlungen“. Was in beiden Meldungen nicht erwähnt wird: Der gesetzliche Mindestlohn beträgt ab 1. Januar 2015 8,50 EUR. Nach meiner Auffassung würde der Lohn von Gesetz wegen also eh bald 8,50 EUR betragen.

Die Gewerkschaft hat es also geschafft, einen symbolischen Cent über diesem Mindestlohn zu erzielen und dies in langen Verhandlungen. Gut das wir so starke Gewerkschaften haben. Man stelle sich doch mal vor, jeder zehnte Mc. Donalds oder Burger King würde bestreikt – mehr Deckung hätten die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hier bestimmt nicht – unsere Wirtschaft würde still stehen. Beruhigend, dass Frau Nahles Gesetz zur Tarifeinheit da bald Sicherheit schafft.

Seltsam, dass das Wort Mindestlohn in den Meldungen so gar nicht auftaucht.

Was ist die Rolle der Gewerkschaft hier? Hat sie was erzielt? Zynisch gesprochen: Ohne die Gewerkschaft hätte ein Bewerber im Gespräch wohl die theoretische Chance mehr als den Mindestlohn zu erzielen. Jetzt gibt es einen Tarifvertrag, der den Mindestlohn samt symbolischem Cent festschreibt, da kann der Bewerber eigentlich kaum mehr verlangen. Ist das also eine Gewerkschaft, die den Arbeitnehmer gut vertritt? Ich glaube ich habe es nicht wirklich verstanden. Solche Gewerkschaften sind es, die sich Frau Nahles und die Arbeitgeber wünschen, eine GDL, Cockpit oder Marburger Bund, die wirklich was erzielen für ihre Mitglieder braucht es dagegen nicht.

Link

Zwei schöne Artikel zur mit Meinungen zur Ukraine-Krise, die ich weitgehend teile, möchte ich hier verlinken. Im tp Artikel macht sich Alexander Unzicker, übrigens Sohn des Schachgroßmeisters, Gedanken zur Sichtweise der Krise und deren Auswirkungen auf unsere Demokratie:

telepolis Artikel: „Die Irrationalität in der Ukraine-Krise gefährdet unsere Demokratie“

Wegen des Stichworts „Annexion“ der Krim zitiert er den folgenden ebenso lesenswerten FAZ-Artikel des Juristen Reinhard Merkel, der derzeit Mitglied im deutschen Ethikrat ist:

faz.de Artikel: Die Krim und das Völkerrecht,
Kühle Ironie der Geschichte

Parallax Scrolling

Heute habe ich eine digitale Weihnachtskarte von Zyxel erhalten, die einen interessanten optischen Effekt verwendete: Beim Scrollen nach unten mit der Scrollbar wechselte das Bild  auf interessante Art und Weise. Faszinierend, was diese Javascript-Kiddies alles so zustande bringen. Da komme ich mir manchmal schon ein bisschen old-school vor. Es handelt sich dabei um skrollr, und hier ist ein Beispiel:

http://prinzhorn.github.io/skrollr/

Der Begriff dazu ist Parallax Scrolling, aber scrollr hat nur damit angefangen, kann inzwischen weit mehr.

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South Stream Pipeline

Russland die Entscheidung bekannt gegeben die sogenannte South Stream Pipeline auch nicht weiter zu verfolgen. In Teilen der Medien wird das als überraschende Entscheidung Putins dargestellt, der Europa unter Druck setzt und hängen lässt. Ebenso auch von der Russlandkorrespondentin heute morgen im DLF. Der n-tv.de titelt gar: „Putin bremst uns aus“.

Im tagesschau.de Artikel wird aber auch er eigentliche Hintergrund erwähnt, dass die EU bereits im Juni 2014 das Projekt auf Drängen der USA praktisch gestoppt hat:

Die South-Stream-Pipeline soll Gas an der Ukraine vorbei von Russland nach Europa bringen. Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise ist das Milliardenprojekt zum umkämpften Faustpfand zwischen Moskau und der EU geworden. Nach erheblichem Druck aus Brüssel und Washington hatte das Transitland Bulgarien im Juni die Vorarbeiten an dem Pipeline-Projekt ausgesetzt. Die USA hatten insbesondere kritisiert, dass Bulgarien ein russisches Konsortium ausgewählt hatte, um den Teilabschnitt der Leitung durch das Land zu bauen.

Ist schon seltsam, da soll um die Ukraine, ein bankrottes Land im Bürgerkrieg, das schon mal die Gaslieferungen nach Europa behindert hat eine Umgehungspipeline gebaut werden, die die Versorgungssicherheit in Europa erhöht, und Europa stoppt dieses Projekt. Alles nur zu unserem Besten? Ich zitiere hier wieder meinen Post mit dem sehr deutlichen Interview von Condolezza Rice, die unverblümt sagt, dass die Europäer doch Energie bei den USA kaufen sollen.

Mädchen schlecht in Mathe

In der Videokolumne „Schon gewusst“ der SZ räumt Patrick Illinger mit dem Vorurteil auf, dass Mädchen schlechter in Mathe sind als Jungs. Er nennt Interessante Details, z.B. dass dies schon in der zweiten Klasse Grundschule beginnt, oder dass es auch in Europa kulturabhängig unterschiedlich ist. Südeuropa kennt das Problem nicht.