Archiv für den Monat: Oktober 2014

Noam Chomsky im Saal der UN zum Israel-Palästina-Konflikt

Auf einer Veranstaltung von Democracy Now im Saal der UN spricht der amerikanische Intellektuelle Noam Chomsky über die Historie und Zukunft des Konflikts zwischen Israel und Palästina. Wer diesen Blog regelmäßig sichtet, weiß, dass mir dieses Thema nahe liegt und ich es regelmäßig verfolge, und dies schon sehr lange. Ebenso weit geht Chomsky in seiner historischen Betrachtung zurück und benennt vieles in diesem Konflikt in einer Offenheit und intellektuellen Präzision, die man sonst dazu vermisst. Dabei redet er nicht nur über die Vergangenheit, sondern stellt ebenso dar wie es dort weitergehen wird, unabhängig von der so oft zitierten ein- oder zwei-Staaten-Diskussion. Gefunden über die nachdenkseiten auf maskenfall.de.

Schön übrigens, dass ich Ihn hier zitieren kann, war sein Name doch in meinem Informatik-Studium wegen seiner Klassifizierung von Grammatiken oft im Munde von Professoren und Studenten.

http://www.democracynow.org/2014/10/22/in_un_speech_noam_chomsky_blasts

Interview nach der Rede:

Englische Untertitel im Video mit dem CC Knopf aktivieren!

Nachtrag: Ganz aktuell dazu passend berichtet dazu am 27.10.2014, während ich den Post schreibe, der Bayrische Rundfunk:

Israel kündigt Bau von 1.000 Wohnungen in Ost-Jerusalem an
Jerusalem: Die israelische Regierung hat den Bau von 1.000 weiteren Wohnungen für jüdische Siedler im besetzten Ostteil Jerusalems angekündigt. Wie es aus dem Büro von Ministerpräsident Netanjahu hieß, sollen zudem im Westjordanland zwölf Straßen gebaut werden. Zuvor hatten zwei Minister von der Siedlerpartei „Jüdisches Heim“ dem Regierungschef mit einer Koalitionskrise gedroht, wenn bestimmte Planungsverfahren zugunsten der Siedler nicht freigegeben werden. Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres zukünftigen Staates machen, Israel will das 1967 besetzte Gebiet hingegen nicht aufgeben. EU und USA kritisieren die Siedlungspolitik seit Jahren als Hindernis auf dem Weg zu einem Frieden.

Deutlicher und aktueller könnte Chomsky nicht bestätigt werden!

Jazz & Politik: Adé Égalité? Immergleiche Ungleichheit

Im BR2 Hörfunk läuft Samstags 17:00 für eine Stunde immer das politisches Feuilleton „Jazz und Politik“.

Am 25.10.2014 war unter dem Titel „Adé Égalité? Immergleiche Ungleichheit“ vieles zu hören, das ebenso wie das besprochene Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty sehr interessant ist. Wer nicht so viel Zeit hat steigt bei 25:17 ein und hört nach ein bisschen Musik den guten Schlussaufsatz.

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/jazz-und-politik/ungleichheit-schere-piketty100.html

Exponentialfunktion und Wirtschaftswachstum

Stets wird nach Wachstum für unsere Wirtschaft gerufen, angeblich allein schon der Arbeitsplätze wegen. Dass ein stetiges Wachstum von zum Beispiel 7% aber eine Verdoppelung alle 10 Jahre bedeutet, ist nicht allen Menschen dabei wirklich klar. Wenn man das noch in Relation zur Endlichkeit von Ressourcen sieht, ist offenbar, dass diese Wachstumsideologie nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Auch ein Wachstum auf Kosten der Konkurrenten, wie es jeder Manager gerne als Ziel herausstellt, läuft letztendlich auf Oligopole und Monopole hinaus, wie wir ja auch bereits aus der Praxis wissen, auch nicht gut für uns.

Schön dazu eine lehrreiche amerikanische Vorlesung, die die an sich einfachen Zusammenhänge von Mathematik und Wirtschaft hier anschaulich erklärt. Leider englisch und in mäßiger Qualität, aber trotzdem wertvoll.

Ständige Publikumskonferenz der öff.-rechtl. Medien

Mit der Petition „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!“ hat sich Maren Müller bekannt gemacht. Die Petition hat sie ja zurückgezogen, aber mit der Gründung des Vereins „Ständige Publikumskonferenz der öff.-rechtl. Medien“ bleibt sie weiter eine Aktivistin gegen Mißbrauch der öffentlich-rechtlichen Medien.

Nach Durchschau einiger Programmbeschwerden muss ich sagen, die leisten eine ganz gute Arbeit und versuchen mit konkreten recherchierten Belegen unsachliches Arbeiten in den Nachrichtenredaktion von ARD und ZDF und anderswo nachzuweisen und mit Programmbeschwerden darauf zu reagieren. Gut, wenn sich unabhängige Beobachter diese Arbeit machen.

Gute Beispiele, alle drei zu Berichten über die Konflikte in der Ukraine:

Sollen wir aufhören zu sparen?

Gerade eben gehört: Ein sehr schönes Bayern-2-Tagesgespräch vom 21.10.2014 zum Thema Wirtschaftspolitik:

Sparen oder ausgeben – was ist in Krisenzeiten am sinnvollsten? Frankreich schlägt eine Aufgabenteilung der besonderen Art vor: Frankreich spart 50 Milliarden, Deutschland investiert die gleiche Summe. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit!

 

So manche Hörer waren sehr konstruktiv, aber insbesondere der Experte im Studio, Prof. Max Otte, Ökonom an der Fachhochschule Worms, Autor des 2006 erschienenen Buchs „Der Crash kommt“ überzeugte durch die Klarheit seiner Aussagen. Ein Medienprofi der Wirtschaftswissenschaften, den ich bisher noch nicht kannte. Interessanterweise ist er Mitglied der Atlantik Brücke, hat aber im Gespräch die Vernachlässigung europäischer Wirtschaftsinteressen gegenüber den geopolitischen und wirtschaftspolitischen der USA im Rahmen der Ukraine-Krise deutlich kritisiert. Es geht also doch beides.

Netzneutralität ist Zukunftsfrage

Kanzlerin Merkel hat auf dem IT-Gipfel in Hamburg die Frage der Netzneutralität in die Zukunft verschoben, zu mindestens keine Entscheidung gegen sie.

Der Begriff Netzneutralität ist ganz Zentral für die Funktionsweise des Internet. Im wesentlichen stellt ein Aufgeben der Netzneutralität zusätzlich Entgelte für den unbehinderten Transport bestimmter Inhalte dar. Zynisch gesagt: Zuerst bewirbt man massiv Video on demand über das Internet. Wenn das alle machen und Netz dadurch zu voll wird, leitet man Konkurrenten langsamer durch bzw. lässt sie oder deren Kunden nochmals extra für die Durchleitung zahlen.

Hier ein sehr plakatives gutes Erklärungs-Video dazu.

Update 04.12.2014: So schnell kann es gehen: Heute hat Frau Merkel erklärt, warum sie keine Netzneutralität will:

http://www.sueddeutsche.de/digital/netzpolitik-der-bundesregierung-merkel-stellt-netzneutralitaet-infrage-1.2252640

Gefängnisparadies Amerika

Es passiert nicht oft, dass ich die Zeitung „Die Welt“ zitiere, aber hier darf es mal sein. „Das absurd-drakonische Strafsystem Amerikas“ ist Thema eines Artikels, der viele erstaunliche Zahlen nennt, etwa dass die USA 25% aller Gefängnisinsassen auf der Welt bei nur 5% der Weltbevölkerung haben, oder auch nahezu doppelt so viele Insassen wie das nicht als sonderlich liberal bekannte China. Erstaunlicherweise wird aber sehr viel mit den Kosten von 80 Milliarden Dollar argumentiert, nicht mit den persönlichen Schicksalen, mit der Ungleichheit in der Behandlung der Rassen oder den geringen Resozialisierungsquoten.

http://www.welt.de/politik/ausland/article133356384/Das-absurd-drakonische-Strafsystem-Amerikas.html?wtmc=nl.wdwbaufmacherT1

Verschlüsselung funktioniert

Zu den häufigsten Nebelkerzen in der IT gehört die Behauptung, Verschlüsselung funktioniere nicht, sei für den Laien nur umständlich zu machen und letztendlich doch wieder leicht zu knacken. Alle diese Behauptungen sind falsch, es wird aber einiges dafür getan, dass sie sich in der Praxis bewahrheiten. Dennoch: eine End-zu-End-Verschlüsselung wäre komfortabel machbar, sicher und auch von Laien zu bedienen. Das Pretty Good Privacy (PGP)-Plugin Enigmail für das Email-Programm Mozilla Thunderbird zeigt dies schon sehr lange. Dies hilft aber nicht, wenn Microsoft Outlook Express und Outlook ebenso wie die Clients auf Mobiltelefonen und Webclients diesen Standard nicht unterstützen und ignorieren. Eine Mehrzahl der Benutzer liest Emails (wenn überhaupt noch, in Zeiten von WhatsApp) auf solchen Programmen. Wäre dem nicht so, und die Programme würden Verschlüsselung anbieten, wäre dies auch für Privatleute und Laien eine gute Sache. Warum sich Firmen und Mittelständler diesen Fragestellungen nicht mehr zuwenden, ist für mich sowieso ein Rätsel.

Apple und Google und Yahoo haben aber angekündigt, Verschlüsselung in Ihre Dienste mit zu integrieren. Ein begrüssenswerter und wichtiger Schritt, wenn er denn technisch sauber umgesetzt wird. Dass diese Technologien auch für Geheimdienste und andere Überwacher nicht so leicht knackbar und unangenehm sind, zeigen die folgenden Artikel über Forderungen des FBI zu einem neuen Calea-Gesetz:

http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2014-10/fbi-hintertueren-verschluesselung-cryptowars

http://www.heise.de/newsticker/meldung/iOS-und-Android-FBI-Chef-will-Vordereingang-in-verschluesselte-Geraete-2426948.html

Man kann nur hoffen, dass sich das FBI und andere der großen Brüder nicht mit Ihren Forderungen durchsetzen und die Vorhaben von Google, Apple und yahoo von den Nutzern auch als der große Vorteil, den sie darstellen, erkannt werden.

Update 20.01.2014: Braucht es einen stärkeren Beleg dafür, dass Verschlüsselung funktioniert? Kaum findet sie mehr Verbreitung, will US-Präsident Obama sie aufweichen:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Obama-will-Verschluesselung-aufweichen-2520434.html

Ungleichheitsproblem in USA

Bei alle den Krisen (IS, Ebola, Ukraine,…) in der Welt, die ständig durch unsere Nachrichten geistern, bleibt in den Mainstream-Medien kaum Raum für nähere Probleme, die die Menschen der „westlichen“ Demokratien viel mehr betreffen. Deswegen sehr lesenwert ein Artikel des Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz in der schweizer Handelszeitung:

http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/zeitalter-der-unsicherheit-ein-gescheitertes-system-683961

Viele von den beklagten Fehlentwicklungen sind in Europa ganz ähnlich zu beobachten, siehe hierzu z.B.:

http://sz.de/1.2186716: SZ Artikel zu einer Studie der Böckler-Stiftung

Update 26.10.2014: Siehe auch: Jazz und Politik zu Thomas Piketty.

Bewegung in der Katholischen Kirche?

Nach einem scheinbar liberalen Zwischenbericht machten sich viele, denen eine Öffnung der Katholischen Kirche am Herzen liegt, Hoffnung auf den Abschluss der Synode. Sie wurden enttäuscht, nicht einmal das auch in Deutschland sehr wichtige Thema des Umgangs mit geschiedenen Katholiken wurde angepackt.

SZ: Katholische Kirche verfehlt grundlegende Öffnung

Das als überraschend zu bezeichnen wäre wohlwollend. Bereits beim Zwischenbericht zeichneten sich große Differenzen in dem Gremium ab. Das Satire-Magazin extra 3 hat dies auch schon vorher gewusst:

Update 21.10.2014: Ein etwas ernsterer und wohlwollender Kommentar im DLF:

http://www.deutschlandfunk.de/bischofssynode-der-heiligenschein-ist-weg.720.de.html?dram:article_id=300784