Archiv für den Monat: September 2014

Mountain Bike extrem

Nicht zu fassen, was die Jungs hier machen, da würde ich mich ja nicht zu Fuß herunter bewegen wollen. Zu was Menschen alles bereit sind, wenn die Anbieter einer Wachmach-Brause den Extremsport auf ihre Fahne geschrieben haben. Wann kommt eigentlich wieder mal ein Zeitalter, in dem die Jugend die Leistungsverweigerung und Flower Power zelebriert?

Mercurial Repositories nach Git konvertieren mit fast-export

Schon seit längerem verwalte ich meine Entwicklungsprojekte mit einer verteilten Versionsverwaltung. Habe ich früher Mercurial verwendet, weil es besser unter Windows verfügbar und integriert war, so bin ich inzwischen auf das angesagte Git umgestiegen, das ja vor allem durch die breite Verwendung von github populär ist. Zur Vereinheitlichung will ich alles mit Git verwalten und dazu natürlich die Mercurial-Repositories verlustfrei in Git-Repositories umwandeln. Dies ist gar nicht so schwer, und so will ich dem Netz dazu mal eine deutschsprachige Anleitung dazu reichen.

Diese Anleitung geht Fragen (1, 2) in stackoverflow zurück, wird also von mir hier nur neu präsentiert. Als Werkzeug wird dabei fast-import verwendet, das es unter https://github.com/frej/fast-export gibt und dort auch erklärt ist. Auf meinem Mint Linux (Ubuntu Derivat) lies es sich ganz leicht installieren mit

sudo apt-get install hg-fast-export

Dies holt auch alle nötigen Pakete wie Mercurial etc. nach. Unter Windows habe ich es nicht getestet, da dort meist kein Python vorhanden ist.

Zur Anwendung sei als Illustration ein kleines shell-Script angegeben, das im Verzeichnis über dem Projektverzeichnis mit dessen Namen als Parameter aufgerufen wird. Das alte Projektverzeichnis wird mit der Endung .bak umbenannt und steht nachher als Backup noch zu Verfügung. Nach der Anwendung steht das Verzeichnis wieder unter dem alten Namen, jedoch mit .git Respository, zur Verfügung.

#!/bin/sh
projectdir=$1
[ $# -eq 0 ] && { echo "Usage: $0 subdir_with_hg_project"; exit 1; }
bakdir=$projectdir'.bak'

mv $projectdir $bakdir
git init $projectdir
cd $projectdir
hg-fast-export -r ../$bakdir
git checkout HEAD
# undo last commit, if we had changed files in hg and did commit just for completeness
# git reset HEAD~
# remove old project directory, if not needed any more
# rm -rf ../$bakdir

Es wird dabei ein leeres Verzeichnis mit git init initialisiert und dann das Git Repository durch hg-fast-export mit sukzessiven Commits befüllt. Danach ist es dem Mercurial-Repository gleichwertig. Zu den Dateien kommt man erst mit git checkout HEAD, da diese zuerst nur im Repository hinterlegt sind.

Ist das Mercurial-Verzeichnis noch mit offenen Änderungen versehen, so muss man diese vor dem Übertragen commiten, damit sie mit übertragen werden. Der letzte, eigentlich unerwünschte Commit kann dann mit git reset HEAD~ im Git-Verzeichnis ungeschehen gemacht werden. In der IDE netbeans kann dies auch mit der hervorragenden Git-Integration unter Team > Revert/Recover > Reset mit der Option Modify Working Tree (--mixed) gemacht werden.

Schubladen für Menschen beim BKA

Auf eine Anfrage der Linken im Bundestag wurde Details über die Speicherung von „personengebundenen Hinweise“(PHW) in Dateien des Bundeskriminalamts genannt. Dabei werden über 1,5 Millionen Menschen in Schubladen wie „Ansteckungsgefahr“, „Geisteskrank“, „Gewalttätig“, „Land/Stadtstreicher“, „Prostitution“ und „Rocker“ etc. gesteckt.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/BKA-speichert-1-5-Millionen-personengebundene-Hinweise-2402509.html

Welche Macht solche Dateien den einzelnen Polizisten geben, erschreckt mich: Ist man erstmal durch einen Polizisten („Begründeter Anfangsverdacht“) so klassifiziert, wird man durch andere Ordnungshüter wohl kaum wieder neutral und zuvorkommend behandelt werden. Selbst wenn Verfahren eingestellt werden, kann so ein Vermerk verbleiben. Rechtsmittel dagegen gibt es nicht, auch kein Auskunftsrecht. Details hierzu in einer Anfrage des Ex-Piraten Lauer.

Wie fragwürdig der Ansatz ist, zeigen die genannten Zahlen: Zwei „Fixer“ sind vermerkt. Da es zweifelsohne viel mehr gibt, wird die Datei hier auch für die Polizisten nicht nützlich sein. Als Informatiker ist mir die Problematik solch willkürlicher Schlagwortvergabe durchaus vertraut.

Wie fragwürdig der Umgang mit parlamentarischen Anfragen ist, kann man auch an den Zahlen sehen: Die erste Tabelle enthielt 3490 „linksmotivierte Straftäter“, aber nur 10 „rechtsmotivierte“. Ein Fehler heißt es vom Bundesinnenministerium, hier hat wohl der Praktikant das Excel ausgefüllt, eine zweite Tabelle mit vielen ganz anderen Zahlen wird nachgereicht. Dort ist das Verhältnis links:rechts plötzlich 9763:20054, also konträr. Welch Wunder! Dafür hat sich „Prostitution“ von 2453 auf 102 reduziert. Hat man sich die Daten für die Anfrage ausgedacht? Ist die neue Aufstellung nur anders gewichtet? Ist sie glaubwürdiger?

Welchen Wert hat die Markierung von 102 Menschen mit „Prostitution“ wohl für die Polizei? Was braucht es, um in diese Schublade zu gelangen?

Mauschel-Maut bei LKW

Die PKW Maut ist unausweichlich, so erzählt man uns, weil ja sonst der Erhalt unserer tollen Straßen nicht bezahlt werden kann. Was im selben Zeitraum bei der LKW Maut passiert, widerspricht dem jedoch.

Im Juli kam dazu eine Meldung, die besagt dass, während man die PKW-Maut herbei sehnt, die LKW Maut verringert wird. Grund: Die Zinsen und damit der Autobahnbau werden billiger, jedoch nicht der Staat darf davon profitieren, sondern angeblich nur die Spediteure. Ich rieb mir die Augen: Während eine PKW-Maut kontrovers diskutiert wird und eine neue Belastung der Bürger darstellt, wird fast heimlich die LKW-Maut billiger, und keiner regt sich darüber auf, es ist kein Thema der Öffentlichkeit. So geht Politik.

Nun ein erneuter Geniestreich der Politik: Statt den Vertrag mit Toll Collect (Daimler und Telekom) auslaufen zu lassen, wird er nach langer Verzögerung praktisch in einer Hinterzimmer-Entscheidung mit Verkehrsminister Alexander Dobrindt verlängert, und dies trotz des vielen Ärgers, den dieses Konstrukt bereits bereitet hat, der noch gar nicht vom Tisch ist. Der Vertrag wird ohne Neuauschreibung mit einer teuren Vereinbarung verlängert, noch während der Bund mit Toll-Collect über eine offene Rückzahlung verhandelt, die Toll Collect nicht zahlen will.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/LKW-Maut-Toll-Collect-soll-weitermachen-2403183.html

http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/-geplante-lkw-ausweitung-dobrindt-setzt-maut-milliarden,10808230,28493510.html

Dieser Geniestreich kostet uns im Jahr 560 Millionen Euro, obwohl nach Expertenmeinung ein Betrieb ohne Toll Collect, durch den Bund und mit ordentlicher Neuausschreibung deutlich billiger wäre. In einer kuriosen Gegenfinanzierung soll durch Toll Collect die Maut auf die Bundesstraßen ausgeweitet werden. So hat man auch ein bisschen Private-Public-Partnership mit hereingebracht, ist ja allseits beliebt und anerkannt.

Für mich ein klarer Fall von Industriesubvention auf Steuerzahlers Kosten, aber die PKW-Maut wird es schon wieder hereinbringen. Wenn sie kommt, dann für alle, nicht nur „für die Ausländer“.

Update 08.12.2014 Unerfreuliche Details:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/LKW-Maut-Neuer-Mautvertrag-kommt-mit-Sonderkonditionen-fuer-Toll-Collect-2482421.html

Ukraine-Konflikt: ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik

Einseitig finden die Berichterstattung in den Mainstream-Medien, in diesem Fall der ARD,  nicht nur viele Zuschauer, sondern auch die zuständigen Gremien. So kritisierte der ARD-Programmbeirat die Berichterstattung als „Fragmentarisch“, „tendenziös“, „mangelhaft“ und „einseitig“. Der Grad der Kritik ist beispiellos in der Geschichte der ARD. Geleakt wurde das Protokoll von der Zeitschrift Telepolis:

http://www.heise.de/tp/artikel/42/42784/1.html

Der Artikel nennt Details, einzelne besonders schlechte oder auch bessere Sendungen und gibt auch Reaktionen auf die Kritik mit an.

Update 26.09.2014: Schwer getroffen schreit man über die Kritik auf, vergleicht sie sogar mit Stalinismus:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=23397

Update 27.09.2014: Eine Artikel des Spiegel zum Vorgang auseinander genommen:

http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2014/09/spiegelrundfunkbeiratkritik-an-ukraine-spiegel-online-fuhlt-sich-wohl-durch-kritik-des-ard-programmbeirats-mit-angegriffen-durchaus-zurecht/

„Die Anstalt“ vom 23.09.2014

Ein echtes Highlight für die Fans politischen Kabaretts war gestern wieder „Die Anstalt“ im ZDF zum Thema Krieg und Frieden mit Max Uthoff und Claus von Wagner – sowie diesmal mit John Doyle, Simone Solga und Tobias Mann. Sehr schön die Erklärung der Historie der Krisen im mittleren Osten ab 26:40. Furios der Schluss zur Einseitigkeit der Berichterstattung über die Ukraine ab 44:45, siehe Youtube-Ausschnitt am Ende:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2241768/Die-Anstalt-vom-23.-September-2014

Update 26.09.2014: Youtube Ausschnitte mit hinzugefügt.

Update 24.10.2014: Siehe zum letzten Ausschnitt die Arbeit der Ständigen Publikumskonferenz der öff.-rechtl. Medien.

Enthauptung in Australien

Wie gestern berichtet wurde, fand in Australien eine große Razzia mit 25 Durchsuchungen durch 800 Polizisten statt, 15 Männer wurden festgenommen, einer davon angeklagt. Der Grund, ich zitiere: „IS-Terroristen haben in Australien offenbar geplant, zufällig ausgewählte Opfer vor laufender Kamera zu enthaupten.“ Meine Aufmerksamkeit gilt immer bestimmten Signalwörtern, in diesem Fall dem „offenbar“. Fällt dieses, ist es immer eben nicht offensichtlich, sondern nur behauptet und kann nicht nachgeprüft werden. Schön, dass es im Englischen gemäß leo.org auch mit „apparently“, „scheinbar“ übersetzt werden kann, würde man an diesen Stellen immer „scheinbar“ setzen, träfe es viel besser.

Denkt man darüber nach, will man es nicht glauben. Was würde es IS nützen, solches zu tun? Terrorakte vor Ort im Gebiet der IS machen Sinn in deren Augen, da sie Eindringlinge vertreiben und Journalisten oder Mitarbeiter von unerwünschten NGOs abschrecken und an der Arbeit hindern. Ein Anschlag im bisher relativ unbeteiligten Australien würde die Situation der IS nur verschlechtern, der Einsatz von Bodentruppen durch USA und andere Länder wäre dann wahrscheinlich.

Grund für solche Meldungen ist IMHO, dass der „westlichen“ Bevölkerung Ängste und Abwehrhaltung plausibel gemacht werden. Al Qaida ist tot, aber die IS ist Gottseidank viel schlimmer, heißt hier die Devise. Mit einer solchen Bedrohung in unseren Großstädten lässt sich ein Bombardement im fernen Irak viel leichter begründen, ebenso wie umfangreiche Befugnisse der Geheimdienste und die ungezügelte Überwachung unser aller Kommunikation.  Die Wirkung lässt sich leicht an den Leser-Kommentaren des TS-Artikels ablesen: Neben vielen besonnen Kommentatoren gibt es nicht wenige, die ein heftiges Draufschlagen auf die IS fordern, andere fordern gar eine „Entschuldigung“ von den Gegnern von Überwachungsmaßnahmen.

Eine Meldung, die die Vorwürfe konkretisiert, bestätigt oder als unbegründet ausweist, wird wie immer unterbleiben. Die Information ist hier meist sehr spärlich, wenn überhaupt, nur dann, wenn die Zuhörer den Vorgang bereits vergessen haben, nie in den Überschriften, nur tief im Text verborgen.

Ebenso wenig konkret ist die Rechtslage und die Beweislage für die Vorwürfe: Die Männer hätten etwas geplant, heißt es, tatsächliche Handlungen gibt es nicht. Zitat: „Wir hatten sehr konkrete Informationen, dass ein Australier, der eine führende Rolle im Netzwerk des islamischen Staates spielt, einen Mordauftrag erteilt hat“, sagte Australiens Premierminister Tony Abbott. „Das war nicht nur ein Verdacht, sondern ein klarer Hinweis. Deshalb sind Polizei und Sicherheitsdienste so massiv vorgegangen.“

Ein ungenannter „Hinweis“, eben nicht ein vorliegender „Beweis“. Von dem Hinweis wissen wir natürlich nichts, kein Telefonmitschnitt wird je zu hören, keine Email je zu lesen sein, selbstverständlich aus Gründen der Geheimhaltung, um andere Ermittlungen nicht zu behindern. Zur Rechtslage: Stellen sie sich vor, ein SEK holt sie aus der Wohnung, es wird Ihnen keine Tat sondern die Planung einer „Enthauptung“ vorgeworfen, die Hinweise dazu kommen aus irgendeiner ihnen nicht vorliegenden Überwachung elektronischer Kommunikation, durch geheimdienstliche Stellen. Wie wiesen sie Ihre Unschuld nach, wie ist die Strategie dazu? Eine Justiz, in der immer häufiger Pläne und Absichten zu Straftatbeständen werden und nicht begangene Taten, kann mir schon Angst machen.

Auch was die Justiz betrifft, werden wir kaum von Ergebnissen hören, wer eine Meldung finden wird, ob die anderen 14 Festgenommenen auch angeklagt werden und wie das Ergebnis der Anklagen ist, ist ein guter Rechercheur, für die Headlines sind diese Meldungen nie gemacht.

Meine Angst in München durch die IS enthauptet zu werden ist sehr gering, meine Befürchtungen einer in Kürze kommenden Gaspreiserhöhung und anderer negativer Folgen, bedingt durch die Handhabung der Ukraine-Krise, dagegen sehr konkret. Enthauptet zu werden, wäre wohl viel billiger.

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