Wer sind die Nichtwähler?

In einer aktuellen Studie hat die Bertelsmann-Stiftung belegt, dass Menschen mit niedrigem sozialem Status und kleinem Geldbeutel dazu neigen, ihr Wahlrecht nicht in Anspruch zu nehmen. Näheres im Kommentar der SZ dazu: http://sz.de/1.1841544

Welchen großen Einfluss das hat, lässt sich am Wahlergebnis ablesen. Welche Partei würde wohl ein Hartz IV Empfänger wählen? Die CDU als Wirtschaftspartei? Die FDP? Lassen wir das. Die SPD als Hartz IV Erfinder, weil sie für den Mindestlohn war und Ihn auch tatsächlich zu 10% in den GroKo-Vertrag eingebracht hat? Die Grünen, die hauptsächlich gut verdienende Angestellte und intellektuelle Milieus  vertreten? Die AfD, die dicke Bankkonten vor den Ausländern retten will? Allein die Linke tritt in Programm und Wahlaussage mehr für sozial schwache Menschen ein. Doch nicht alle davon denken links, oder haben die Schneid, eine solch „verruchte“ Partei zu wählen, Da ist nicht zu wählen schon weniger verwerflich. Zusätzlich zeigt man „denen da oben“ auch, dass man sie ignoriert, dass sie „einen mal können“.

So können sich CDU und SPD weiter als „Volksparteien“ bezeichnen, obwohl sie fast ständig Wähler verlieren und nur noch gewisse Teile des Volks vertreten. Ich habe mir mal bei meinen Versuchen mit R die Daten des Bundeswahlleiters geholt und sie in eine Grafik gebracht, die absolute und nicht relative Ergebnisse zeigt, und dabei die Nichtwähler wie eine Partei behandelt:

Zweitstimmen Grafik

Zweitstimmen Bundestagswahl Gesamtdeutschland mit Nichtwählern

Die Graphik zeigt wie stark die Nichtwähler zunehmen und 2009 sogar stärkste Kraft waren. Leider ist die Darstellung für mich ohne großen Bereinigungsaufwand erst seit der Wiedervereinigung zu machen, würde man Westdeutschland längerfristig betrachten, wäre der Effekt noch viel deutlicher zu sehen. Die beiden großen Parteien werden von einem ständig sinkenden Anteil der Wahlberechtigten gewählt. Sieht die SPD hier noch nach Volkspartei aus? Wäre unser Wahlsystem nicht historisch bedingt so betont auf die Bevorzugung stabiler Verhältnisse ausgelegt, würde dies auch in der Zusammensetzung der Parlamente stärker sichtbar.

Die jüngste Wahl 2013 bricht den Trend mit dem großen Sieg der CDU/CSU zwar, es ist aber in erster Linie eine Verschiebung innerhalb der Parteien, die Nichtwähler sind nur wenig zurückgegangen, nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Trotzdem zeigt die Graphik, wie bemerkenswert die Wahl war, und wie viele Stimmen durch die 5%-Hürde verloren gegangen sind (obwohl die AfD nicht mit aufgeführt ist, sorry).

Was folgt daraus? Wenn sich der Trend so fortsetzt, und davon gehe ich ebenso wie die Studie aus, wird unsere Regierung in Ihrer Zusammensetzung von einem immer kleineren Kreis (von Eliten?) bestimmt, oder die große Zahl der Nichtwähler wird von einer neuen Partei, einem neuen Messias motiviert sie zu wählen, eventuell dabei sogar radikalisiert. Beide Varianten sind nicht wünschenswert.