Archiv für den Monat: November 2012

Im Wesentlichen profitiert der Anleger

Wer es noch lesen und hören kann: Bemerkenswertes Interview mit Hans-Werner Sinn im dradio.de zu Griechenland-Hilfe.

Auch wenn ich Herrn Sinns Ansichten nicht immer teile, spricht er doch vieles sehr deutlich an, besonders in diesem Abschnitt:

Armbrüster: Wer profitiert denn von diesem Hilfspaket, das da morgen beschlossen werden soll?

Sinn: Na ja, im Wesentlichen profitiert natürlich der Anleger. Sie müssen bedenken: Es sind hier drei Gruppen im Spiel miteinander. Das eine sind die internationalen Gläubiger der südlichen Länder, dann sind es die südlichen Länder selber, die sich verschuldet haben; die beiden haben ein Problem miteinander. Und die dritte Gruppe besteht aus den Steuerzahlern der noch gesunden Länder. Und da der Schuldner dem Gläubiger nichts zurückzahlen kann, sucht man jetzt eben die Hilfe des Steuerzahlers. Der soll anstelle des Schuldners zurückzahlen, damit die Gläubiger sich noch aus dem Staube machen können. Nun gut: Die Gläubiger sind zum Teil wir selber über unsere Banken und Lebensversicherungen, aber auch nur zum Teil.

Die hauptsächlichen Gläubiger Südeuropas sind die französischen Banken und dann sind natürlich Anleger aus aller Welt da: amerikanische Pensionsfonds, es sind die Chinesen dabei, wer auch immer. Und indem wir jetzt diese großen Rettungsaktionen machen, erlauben wir es den Gläubigern aus aller Welt, sich da noch rauszuziehen und ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, und wir und unsere Kinder werden stattdessen zu Gläubigern der Südländer. Das ist für die alle gut, die fühlen sich beruhigt, man redet davon, die Kapitalmärkte sind beruhigt, aber ich finde, dieser Prozess gibt jeden Anlass, selber beunruhigt zu sein.

Armutsbericht wird passend gemacht

Die Regierung lässt unliebsame Formulierungen und auch Fakten aus dem Armutsbericht entfernen.

Warum der Name „Armutsbericht“ nicht in „Wohlstandsbelustigung“ ausgetauscht wird, ist mir schleierhaft. Gut, wenn die Medien solche Differenzen aufzeigen, sie sagen viel über unsere Gesellschaft und Politik aus.

http://www.tagesschau.de/inland/armutsbericht106.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/regierung-schoent-bericht-mit-botox-gegen-armutsfalten-1.1535674

Gewinne privatisieren, Risiken sozialisieren

So würde ich auch gerne Geschäfte machen: Man investiert, und wenn was nicht klappt, übernehmen die, die ich später mangels echtem Markt ausnehmen werde, die Haftung. Warum bin ich eigentlich kein Stromkonzern?

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/offshore-windenergie-regierung-plant-milliarden-belastung-fuer-buerger-a-869669.html

Diese Politik ist unbeschreiblich unverschämt. Weiterlesen

Mildes Urteil für gewaltbereite Polizisten

Der Rosenheimer Polizeichef hat erwartungsgemäß ein mildes Urteil gefunden: Statt der von der Staatsanwaltschaft geforderten 21 Monate auf Bewährung bekommt er lediglich 11 Monate, natürlich genau das was seinem Beamtenstatus nicht schadet und so viel weniger weh tut. Damit ist er nicht automatisch amtsenthoben.

Dabei sprach der Richter von „unvorstellbarem Wut- und Gewaltausbruch“, den auch Zeugen und Gutachter mehrfach bestätigten. Ein anderer Polizist sprach von „überschrittenen Grenzen“. Weiterlesen

Die Keule Antisemitismus

Schon oft habe ich mich geärgert, wenn Kritiker israelischer Politik reflexartig mit dem Vorwurf des Antisemitismus belegt wurden. Norbert Blüm, Sigmar Gabriel, jüngst Judith Butler und viele andere lassen sich hier nennen.

Zu diesem Thema hat sich Jakob Augstein in seiner Spiegel-Kolumne geäußert:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kritik-an-israel-inflationaerer-gebrauch-des-antisemitismus-vorwurfs-a-869280.html

Dass auch Israelis die Sachverhalte differenzierter sehen können zeigt zum Beispiel das Buch von Tamar Amar-Dahl, auf das ich mal durch eine ausführliche Besprechung im Radio gestoßen bin, aber zugegeben selbst auch noch nicht gelesen habe.

Kuckucksnest auf bayerisch

Der Fall Mollath wird gerade von der SZ aufbereitet und immer wieder in den Vordergrund gerückt. Dabei stellt sich leicht ein Gänsehautgefühl ein: Jeder kennt Filme wie „Einer flog über das Kuckucksnest“ oder der großartige „Der fremde Sohn“, wo die ungerechtfertigte Unterbringung in der Psychiatrie aufrührt.

Wenn die Wahrheit in dem Fall nur geringfügig anders liegt, als dies die bayerische Justiz gesehen hat, und vieles spricht dafür, ist es ein trauriger Skandal.

Heribert Prantl schreibt dazu einen lesenswerten Kommentar.

Netbeans enhancement angestoßen

Kaum arbeitet man ein bisschen mit netbeans, schon hat man gefühlte 2000 Editor-Fenster auf. Verliert man die Übersicht, möchte man eine paar schließen und die anderen umordnen. Diese Umordnen geht per Drag and Drop nur höchst stressig, auch noch abhängig von der Bildschirmgröße. Ich habe recherchiert, offensichtlich hat sich darüber noch keiner Gedanken gemacht, also habe ich ein issue in bugzilla eingestellt:

http://netbeans.org/bugzilla/show_bug.cgi?id=222666

Dieses ist angenommen und einem Entwickler zugeteilt worden. 🙂
Ist jetzt spannend, ob und in welcher Version es tatsächlich realisiert wird.