Quo vadis, öffentlich rechtlicher Rundfunk?

Gerade aktuell das Urteil zur Tagesschau App:

Ich teile die Meinung der ARD-Vorsitzende Monika Piel:

„Ich sehe mich in meiner Einschätzung bestätigt, dass diese Auseinandersetzung im Grunde nur medienpolitisch und nicht juristisch zu lösen ist.“

Das ganze geht zurück auf die unsägliche Änderung des Rundfunkstaatsvertrages von 2008, wo festgelegt wurde, dass der Rundfunk im Internet nicht den Verlegern Konkurrenz machen darf. Seither dürfen Internet-Streams von Sendungen nur mehr 7 Tage und Sport nur 24h veröffentlicht werden, alles andere muss inhaltsleer und mit Sendungsbezug sein. Kurz: Im Medium der Zukunft darf der Rundfunk nur kastriert auftreten, damit er nicht zu attraktiv ist. Was habe ich mich darüber schon geärgert.

Das wird dem Informationsauftrag des öffentlichen Rundfunks nicht gerecht: Verpasste Sendungen im Internet nachzuholen, oder eine Doku-Sendung bei der Recherche zu einem Thema auch nach den 7 Tagen nochmals anzusehen, würde sehr gut informieren. Das Ziel, auch die junge Generation zu erreichen, wird verfehlt: Im Medien-Konsumverhalten der jungen Generation ist das Internet wesentlich mehr das Leitmedium als das Fernsehen. Gerade auch weil man es auf dem Smartphone immer und überall sehen kann, auch abseits der Eiche-rustikal Wohnzimmer-Atmosphäre der Eltern. Die Einschränkungen tragen so nur dazu bei, dass sich ARD und ZDF weiter in Richtung Rentner-Fernsehen entwickeln. Man schaue sich nur mal die Werbung vor der Tagesschau an: Senioren-Medizin und Geldanalagen/Versicherungen.

Man kann durchaus so entscheiden, wenn es politisch gewollt ist, dass das Netz nur von Verlegern besetzt wird. Nur erhebt die GEZ jedes Jahr 7,5 Milliarden Euro für den öffentlich rechtlichen Auftrag, da sollten die Gebührenzahler doch auch was davon haben. Jeder Teilnehmer zahlt pro Jahr fast 180 Euro, ab 2013 dann auch noch zwangsweise, selbst wenn er gar nicht empfängt. Wenn dann keine attraktiven Angebote gemacht werden dürfen, verkommt das System zur nur noch „Wetten-das Werbe Plattform“  und Pensionskasse für Rundfunkmitarbeiter. Nebenbei macht Google was es will und besetzt die Positionen ganz einfach mit Google TV.

Fazit: Ein zwangsweise hoch finanzierter öffentlich rechtlicher Rundfunk muss auch im Internet interessante und auch redaktionelle Angebote machen dürfen. Wenn nicht, muss man ihn neu definieren und auch bei der Finanzierung Abstriche machen.

Ein Gedanke zu „Quo vadis, öffentlich rechtlicher Rundfunk?

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