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In meinem Post „Der Russe wars“ bin ich auf den Umgang der Medien mit dem „Feind Russland“ eingegangen. In dem guten Artikel  Spiel ohne Regeln stellt Michael Jäger im Freitag dies in einen größeren Zusammenhang, das Ringen um eine neue Weltordnung. Er zeigt darin, dass die Vergleiche mit dem „kalten Krieg“ hinken.

Marx und die Akkumulation

Wieder ein interessanter Beitrag aus dem Politischen Feuilleton des DLF, seit Smartphone und DLF Audiothek höre ich konzentrierter „Radio on demand“ 🙂

Wo die Bourgeoisie regiert, gebe es kein Band mehr zwischen Mensch und Mensch und es herrsche das nackte Interesse an gefühlloser, barer Zahlung, heißt es in Marx‘ Kommunistischem Manifest. 

Quelle: Marx und die „Akkumulation“ – Die große Verwertung geht immer weiter

Faktenfinder vom Feinsten

Schon der Name Faktenfinder ist ein Schlag ins Gesicht: Medien sollten Meldungen und Nachrichten verbreiten, die auf Fakten beruhen. Es ist nicht Aufgabe von Medien für uns arme dumme Konsumenten, die Fakten herauszusuchen. Wenn die Meldungen die Fakten schon genannt haben, warum sollte ein „Faktenfinder“ sie für den Leser nochmals zusammensetzen? Der Umkehrschluss, „wenn wir die Fakten schreiben, schreiben die anderen die Fakes“ ist natürlich dabei auch beabsichtigt.

Dass diese „integere Absicht“ des Fakten-Findens nicht immer verfolgt wird, zeigt der Faktenfinder zur Untersuchung des mutmaßlichen Giftgasangriffs von Duma:

Quelle: Faktenfinder Mutmaßlicher Giftgaseinsatz: Propagandaschlacht um Duma

Man beachte schon die ersten zwei Absätze:

Der Einsatz der OPCW-Experten in Duma verzögert sich immer weiter. Die neun Experten waren am Samstag in Damaskus eingetroffen, dürfen seitdem aber nicht an den Ort fahren, an dem am 7. April möglicherweise Chemiewaffen eingesetzt worden waren.

Am Montag wurde ein Besuch blockiert. Am Abend versprach der russische Botschafter bei der OPCW in Den Haag, Alexander Schulgin, die Experten könnten am Mittwoch nach Duma reisen. Am Dienstag wurde dann ein Voraus-Team der UN in Duma beschossen, als es die Sicherheitsbedingungen für den Einsatz der Waffeninspekteure prüfen wollte.

Erster Absatz: sie „dürfen nicht“. Wo ist das Fakt, wer es ihnen verboten hat? Zweiter Absatz: „wurde blockiert“. Passivisch, sehr schön. Wer hat blockiert? Gleich darauf: „der russische Botschafter verspricht…“. Statt zu erwähnen, dass die UN die Untersuchungskommission aus Sicherheitsgründen zurückhält, und nicht Russland oder Syrien, wird den Lesern durch die Satzstellung eine Verhinderungsaktion der Russen suggeriert. Russland sagt hingegen, Aufständische hätten das Voraus-Team beschossen, das wird nicht erwähnt, sondern weiter unten „Die USA und Frankreich verdächtigen Russland und Syrien daher, die Untersuchung zu behindern„. Erwartet man so etwas von einem Faktenfinder? Das ist Sortierung und Sieben der Fakten, nicht Finden. Auch: Die Verdächtigung ist zwar ein Fakt, noch nicht aber die Behinderung. Dass die Russen das sagen ist Fakt, nicht aber notwendigerweise, dass es die Aufständischen waren. Was verdient Sammlung im Faktenfinder?

Im Weiteren ist sich der Artikel nicht einmal einig, ob sich die Journalisten nun abgesetzt haben oder frei bewegen konnten. Wenn sich RTL-Reporter frei bewegen können, warum nicht die Kommission? Sinnlos darüber zu diskutieren.

Das zeigt: Einen wahren Faktenfinder wird es niemals geben, weil nicht alle Fakten offensichtlich sind. Hier fehlen die Fakten, wie schlecht die Sicherheitslage wirklich ist und wer dafür verantwortlich ist.

Aufgabe der Tagesschau ist es Meldungen zu liefern und eventuell manchmal ausgewiesen zu kommentieren. Das Bild dieser Teilmenge der Fakten aus den Meldungen wird dann bei uns im Kopf entstehen, natürlich für jeden subjektiv. Die Objektivität, die hier vorgetäuscht wird, gibt es natürlich gar nicht und sie kann es auch nicht geben. Schon deshalb ist der Name Faktenfinder unsinnig.

Aktionsplan Wolf

„Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“. Fast jeder, lautet wohl die Antwort. Seit den Gebrüdern Grimm wissen wir, dass da auch schon mal die Großmutter gefressen wird. Nach der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung sollten „unerwünschte wilde Tiere“ in unserer Welt nur noch im Fernsehen vorkommen, in der Realität aber schon gleich gar nicht. Das gilt, wenn der Biber den nahe gelegenen Bach umgestaltet und sich der Biberberater sich dann den Zorn der Anrainer anhören muss. Es galt und gilt Medienwirksam bei Bären, wir erinnern uns alle noch an „Bruno, den Problembären“. Und angeblich gibt es auch noch zugewanderte (Problem?)-Luchse.

Aktuell ist mehr der Wolf im Fokus, wo kämen wir da hin wenn sich die Steckerlgeher vor wilden Tieren fürchten und die Schafzüchter ihre Tiere mit Zäunen, Hunden und Eseln schützen müssten. Dass die Schäfer staatliche Unterstützung für die Zäune kriegen und zudem meist andere Probleme haben, wird dabei unterschlagen. Schafwolle wird nicht mehr gebraucht, da wir uns in Plastik kleiden, und muss daher oft entsorgt (verbrannt) werden. Extensiv genutzte Flächen für Schafweide gibt es nicht mehr viele, das Wechseln von einer Fläche zur anderen ist bei unserem Verkehr ein großes Problem. Trotzdem ist das „Wolfs-Problem“ bei Schafzüchtern und bei Jägern ein hoch emotionales Thema.

Unser neuer bayerischer Ministerpräsident Markus Söder hat dafür natürlich ein Gespür und kündigt den „Aktionsplan Wolf“ an, spricht von einem Neustart und auch Richtungswechsel. Das läuft auf einen Abschuss von „verhaltensauffälligen Wölfen“ hinaus, mit dem Ziel „die Größe der Wolfspopulation auf das artenschutzrechtlich Erforderliche zu begrenzen“. Wer sich noch an Bruno erinnert, weiß, wie schnell so eine „Verhaltensauffälligkeit“ herbei definiert wird.

Man könnte das auch entspannter sehen, was aber wohl in Bayern und anderswo keine Wählerstimmen bringt. Da ist ein Beitrag wie der heutige im DLF von Dieter Bub mal wohltuend:

http://www.deutschlandfunkkultur.de/wildtiere-wer-hat-angst-vor-dem-boesen-wolf.1005.de.html?dram:article_id=415839

Ergänzung 18.04.2018:
Auch die Schafzüchter halten den Wolf nicht für ihr drängenstes Problem.

Der Russe wars

Wahlbeeinflussung in USA, Wahlbeeinflussung beim Brexit, Hacken des Bundestages, Giftgas in Syrien in 2013, 20?? und 2018, Vergiftung des Doppelagenten Skripal: stets deuten wir mit dem Medien-, Nachrichten- und der Regierungserklärungs-Finger auf Russland, meist personalisierter auf Putin, ohne irgendeinen belastbaren Beweis zu haben.

Ich will belastbare Beweise gerne sehen, der Verweis auf Geheimdienstkreise, die das wohl schon wissen, reicht mir nicht. Wenn man ehrlich ist, ist das eine Beleidigung der Intelligenz: stets wird uns erklärt was Sache ist, aber für die Beweise sind wir nicht reif genug, Demokratie auf Kleinkind-Niveau. In letzter Zeit hört man sogar zum Teil die Beweisführung, man könne im Fall Skripal zwar nichts belegen, aber der Russe habe ja in der Vergangenheit auch das und das und dies gemacht, da sei es sicher nicht verkehrt. Dass auch die Vorgänger-Vorwürfe nicht wirklich belegt waren, spielt dabei keine Rolle mehr. So ähnlich hat mit Michael Gahler (CDU) ein Falke aus dem EU-Parlament erst neulich im DLF-Interview argumentiert.

Nicht dass ich glaube, dass Russland ein Waisenknabe ist, es spielt sicherlich im internationalen Machtpoker genauso mit, wie die USA, Frankreich, England (Deutschland?) und China. Aber ich denke, genau das ist der wirkliche Vorwurf an das Land: Es hält nicht mehr wie in Zeiten von Jelzin still und findet sich mit den Brotkrumen „des Westens“ ab, sondern gestaltet wieder eigenständig die Weltpolitik mit. Zwar will ich keinen Hegemonial, egal ob er USA, Russland oder China heißt, aber dass ständig für nicht „westliche“ Länder andere Maßstäbe angewendet werden, erscheint mir nicht sinnvoll, zu mindestens nicht ehrlich. Die USA sollen den „Welt-Polizisten“ spielen weil sie „die Guten“ sind, wenn ihr Geld nicht mehr reicht sollen wir dabei helfen (2% Ziel der Militärausgaben). Wenn China eine neue Seidenstraße mit Geld und Beton baut oder Russland sich die Militärbasen am Schwarzmeer und Mittelmeer nicht so einfach wegnehmen lässt, ist das böse, böse. Ich meine alle Länder sollten zu einer Weltordnung finden, in der das Völkerrecht wieder mehr zählt und nicht nur auf eine Seite angewendet wird.

Die Folgen für unser Land sind greifbar: Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Sanktionen treffen unsere Wirtschaft deutlich mehr als dargestellt: So belastet zum Beispiel der Wegfall des russischen Marktes unsere Milchbauern stark, mehr als dass die Verbraucher billig einkaufen wollen, aber gesagt wird das natürlich nicht. Dass die North-Stream 2 Pipeline durch die Ostsee meiner Gasheizung einmal russisches Gas liefern wird, glaube ich erst, wenn das so ist, hier sehe ich noch viele Hebel der Verhinderung angesetzt. Andere wirtschaftliche Beispiele ließen sich leicht finden. Und militärisch: wenn demnächst in Syrien die USA und Russland wirklich militärisch aufeinander prallen wird das Konsequenzen haben, die ich gar nicht abschätzen kann und will.

Die Argumentation des pensionierten Richters im folgenden Artikel erscheint mir daher richtig, auch ich denke in diese Richtung und empfehle den Text deswegen.

Zwischenruf eines Richters: Gefährliche Anti-Russland-Hysterie – Nowitschok und das Gift der Theresa May. Von Peter Vonnahme.

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Und noch ein Link, heute ist wohl Link-Tag: Eloquent formuliert, wie man es von ihm gewohnt ist, kritisiert Thomas Fischer den Umgang mit Kriminalstatistiken.

„Trau‘ keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“, lautet ein gemeinhin Winston Churchill zugeschriebener Spruch. Vermutlich stimmt nicht einmal das, und doch ist die – oft eigenwillige – Auslegung von Daten immer wieder Gegenstand von Medienberichten, vor allem, wenn es um Straftaten geht. Der frühere Bundesrichter und MEEDIA-Gastautor Thomas Fischer über die empirisch ermittelte Angst vor Messerattacken und andere statistische Schräglagen.

Quelle: Messerangst in Mitteleuropa – oder: Warum die Kriminalstatistik nur dann nützlich ist, wenn man sie versteht › Meedia

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Die Diskussion, ob Hartz IV zu hoch ist soll die Diskussion verdecken, ob nicht viele Löhne zu niedrig sind. Das wird wahrscheinlich wieder mal funktionieren. Guter Artikel in freitag.de dazu.

Die Inszenierung des Sozialschmarotzers hat Methode. Durch Spaltung soll die Gesellschaft wieder auf Kurs gebracht werden

Quelle: Hartz IV – Armut, die sich lohnt

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Während die „Presseschauen“ zum Teil über „falsche Vorstellungen“ der Azubis berichten, weiß es der Postillon mal wieder besser. Nachrichten sind Satire und Satire sind Nachrichten 😉

Was ist nur mit der Jugend von heute los? Trotz mieser Bezahlung und lausiger Arbeitszeiten wird laut dem Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018 mehr als jede vierte berufliche Ausbildung in Deutschland abgebrochen. In bestimmten Branchen liegen die Abbrecherquoten sogar noch deutlich höher. Die Arbeitgeber sind ratlos.

Quelle: Der Postillon: Trotz mieser Bezahlung und lausiger Arbeitszeiten: Immer mehr Azubis brechen Ausbildung ab

Sonntagsfrage en détail

Nochmals David Kriesel, der Mann ist eine Fundgrube! In meinem Blog habe ich ja schon eigene Charts zu den Wahlen präsentiert, in dem die Nichtwähler wie eine Partei dargestellt werden.

David macht ähnliches mit den Daten zu Sonntagsfrage, natürlich wieder nahezu perfekt, da bin ich als Blogger schon fast neidisch:

http://www.dkriesel.com/sonntagsfrage

 

Scanner ändert Zahlen

Spaßiger Vortrag eines Informatikers namens David Kriesel über seinen Kampf mit Fehlern von namhaften Scannern und der Öffentlichkeitsarbeit dazu. Vom 31. Chaos Communication Congress. Kriesel empfiehlt sich auf jeden Fall als rhetorisches Talent :-), aber nicht nur das. Chapeau!

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