Neujahrswünsche

Der Titel ist nicht ganz der Jahreszeit-gemäß, der Inhalt wohl: Gerade habe ich eine Wiederholung dieser Folge 456 der Kolumne „Mein Leben als Mensch“ von Jan Weiler gehört, die mich, wie fast alle dieser Reihe, hervorragend amüsiert haben. Wie Weiler es jede Woche schafft, sich so etwas Kluges und Lustiges aus den Fingern zu saugen, ist mir ein Rätsel. Chapeau!

Bislang habe ich diese Beiträge im Netz immer vermisst, sie aber jetzt doch auf Weilers Homepage gefunden. Die aktuelle Kolumne gibt es dort auch.

 

Europoly

Europoly, so heißt die medial gekonnt aufbereitete Studie zur Situation in den Ländern wie Portugal und Griechenland, die derzeit unter dem Einfluss der Troika stehen und kaum Aussichten haben, als Gewinner aus der Krise zu kommen.

Etwas sarkastisch wird die Analogie zum Spiele-Klassiker Monopoly aufgezeigt. Sehenswert!

http://europoly.tagesspiegel.de/

 

Der nächste Putsch ist absehbar

Zur Lage in der Türkei hat Hans Peter Uhl ein Interview in DLF gegeben, das mir gefallen hat. Er sieht die Zukunft dieses mir so sympatischen Landes, das ich bereits 1985 mit dem Motorrad das erste Mal bereist habe, genauso düster und sorgenvoll wie ich.

Wenn jetzt zehntausende türkische Bürger aus Ihren Positionen entfernt und vielleicht auch eingesperrt werden, kann es nicht ohne Gegenwehr abgehen. Es sind ja gerade die Eliten und fähigen Leute, denen dies passiert. Werden diese es ohne Gegenwehr geschehen lassen? Sicher nur kurzfristig. Eine gespaltene Gesellschaft, so wie sie sich in der Türkei immer rasanter entwickelt, wird sich voraussichtlich nicht in Harmonie auflösen.

 

Shitstorm für Künast

Bei vielen Terrorangriffen der jüngeren Geschichte werden die Täter von der Polizei erschossen. Mag dies bei der Waffengewalt des Anschlags auf Charlie Hebdo noch geboten scheinen, so ist die Lage nicht immer so eindeutig.

Gerade eben hat der Anschlag auf einen Zug bei Würzburg Aufsehen erregt, der Täter wurde von einer zufällig anwesenden Spezialeinheit wohl auf Distanz erschossen. Renate Künast hat bei Twitter gefragt, warum man den Angreifer nicht kampfunfähig geschossen hat, eine Frage die bei Spezialkräften auf Distanz, bei einem 17-jährigen Täter ohne Schusswaffen durchaus erlaubt sein sollte. Dafür hat sie aber einen herben Shitstorm geerntet. Ich meine, sie durfte dies fragen, aus meiner Sicht ist es gut, wenn dies überhaupt noch jemand fragt. Jakob Augstein sieht dies in seinem Artikel ähnlich:

https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/gerechtigkeit-entsteht-vor-gericht

So widerwärtig die Taten auch sein mögen, ich glaube unsere Gesellschaft könnte aus den Aussagen der Täter, aus deren Motiven und Beweggründen etwas lernen und sich verbessern. Bei dem Norwegischen Attentäter Breivik hat dies auch funktioniert. Deswegen ist ein überlebender Täter aus meiner Sicht für uns wertvoller als ein toter.

Nicht nur deswegen darf man nach dem Vorgehen der Polizei durchaus fragen. Ein staatliches Gewaltmonopol ist nur legitim, wenn solche Fragen auch als legitim angesehen werden und nicht als „Klugscheißerei“ wie durch Rainer Wendt.

Interview mit Noam Chomsky

Noam Chomsky hat für mich zweierlei Bedeutung: Schon im Vordiplom meines Informatikstudiums war er für mich als Sprachwissenschaftler wegen seine Klassifikation von Grammatiken ein Begriff und gehörte zum Pflichtlernstoff. Heute macht er als einer der bedeutendsten Intellektuellen in den USA immer wieder bemerkenswerte kritische Aussagen.

In der letzteren Bedutung wurde er von den Nachdenkseiten interviewt und hat bemerkenswerterweise auch zu Europa viel kluges zu sagen.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=34201

Verschwörungstheorien

Die WDR-Sendung Quarks & Co war früher ein beliebter Programmpunkt  im TV für mich. Oft habe ich sie empfohlen und darauf hingewiesen, wie viel besser die Themenauswahl und Information durch den Moderator Rangar Yogeshwar war, als im Vergleich dazu damals durch das ZDF und seine Sendungen mit Joachim Bublath, die meist über das Thema gingen, ob wir morgen oder übermorgen den Mars besiedeln werden.

Ich sehe sie auch heute noch manchmal, aber meine Begeisterung dafür ist verschwunden. Neben den durchaus noch vorhandenen guten Sendungen werden inzwischen des öfteren Themen ausgewählt und in einer Weise behandelt, die eben weniger wissenschaftlich neutral und dafür durchaus Interessen-geleitet ist. Die gestrige Sendung war dafür ein Beispiel:

Quarks & Co | 28. Juni 2016, 21.00 – 21.45 Uhr | WDR:
Wahn oder Wahrheit – was steckt hinter Verschwörungstheorien?

Dieser Beitrag in der WDR Mediathek

Schon der Titel und die inflationäre Verwendung des Begriffes Verschwörungstheorie, ohne ihn im Wesentlichen zu definieren, diffamieren alle Menschen, die eben nicht unreflektiert die vorherrschende Meinung und damit die Meinung der Herrschenden wiedergeben. Die Sendung beschränkte sich neben ein paar Erläuterungen über die Historie des Begriffs vor allem darauf, möglichst abstruse Beispiele für „Verschwörungstheorien“ abzuliefern wie die Chemtrails und die jüdische Weltverschwörung, und daraus implizit abzuleiten, das ja alle, die irgend sowas glauben, durch den Wind sind. Das letztere Beispiel über das Weltjudentum diente auch gleich dazu, den Zusammenhang mit dem dritten Reich herzustellen, so als kämen die „Verschwörungstheorien“ hauptsächlich vom rechten Rand der Gesellschaft. In einem Beitrag, wo ein Mitarbeiter in Straßeninterviews selbst eine Verschwörungstheorie basteln sollte, wurden an und für sich kluge und wohlüberlegte Antworten von den recht besonnenen Befragten so umgedeutet, dass das Vorhaben leicht ist und dieses „Impfen“ angeblich auch funktioniert hat. In meiner Wahrnehmung war das aber nicht so, die Menschen waren eher intellektuell und nicht so leicht in eine Richtung zu schubsen, man kann sich diesen Teil hier ansehen, um sich selbst eine Meinung zu bilden. Hier deshalb ein paar Anmerkungen von mir um nicht alles so stehen zu lassen.

Der Begriff der Verschwörungstheorie wird heute sehr inflationär verwendet, zu Unrecht, will ich meinen. Natürlich gibt es unsinnige Meinungen und Konstrukte, nicht alles, wozu es eine schöne Website gibt oder wozu jemand ein Buch verkaufen will, ist plausibel, seriös, stichhaltig und belegbar. Praktisch ist es jedoch, jede abweichende Meinung und Spekulation über Zielsetzungen der Politik pauschal als „Verschwörungstheorie“ abzutun und damit die, die darüber nachdenken, entweder als leichtgläubige Spinner (Opfer) oder bösartige Urheber und Verführer (Täter) zu diffamieren. Ebenso wie der „Populismus“ wird der Terminus wie ein Mühlstein jedem um den Hals gehängt, der die Mainstream-Meinung gefährdet.

Ein Schlüsselwort hier ist die Spekulation: Glauben Sie, dass die Bevölkerung, wir alle, die Wähler in einer Demokratie, den gleichen Informationsstand hat wie die Lenker, die Mächtigen, die Regierungsmitglieder und Minister? Natürlich nicht. Aktenstudium, Informationsdienste, Berater, Vernetzung untereinander und mit der Wirtschaft, Think-Tanks und Lobbyisten, Konferenzen und dergleichen schaffen einen Wissensvorsprung, der natürlich auch wichtig ist und es erlaubt Strategien zu entwickeln. Und diese Strategien twittert man nicht immer gleich raus, sondern denkt im Verborgenen darüber nach und leitet Schritte ein, damit man sich auch umsetzen kann. Nicht mal ein Vereinsvorstand eine Sportvereins lässt sich bei wichtigen Vorhaben gleich zu Beginn in die Karten schauen, sonst wird es ihm unmöglich, sie durchzusetzen.

Diese Asymmetrie im Wissen zwischen denen, die die Macht haben und denen, die sie in einer Demokratie verleihen, ist also nicht zu vermeiden. Wie sollen sich die Wähler also verhalten? Alle 4 oder 5 Jahre in die Wahlkabine gehen und dazwischen in grenzenlosem Vertrauen versinken, dass die da oben schon alles richtig und in seinem Sinne machen? Für mich das Verhalten einer Schafherde. Oder sich ausmalen, warum und in welchem Sinne etwas beschlossen wird, wem es nützt und wem es schadet, wer das Für und wer das Wider spüren wird? Für mich ist letzteres ein ganz normales Verhalten und teil einer Kontrolle durch das Volk, die zu einer Demokratie gehört wie die Arbeit der Opposition und investigativer Journalisten (gibt es die noch?). Die Frage „Cui Bono“ ist eine natürliche und muss erlaubt sein, doch auch dieser Begriff wird hauptsächlich negativ gesehen und immer mit Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht. Ein Nachdenken über die Vorgehensweise der Politik ist immer Spekulation, der Wissensvorsprung ist ja da und daraus folgt eben auch, das nicht alles, was man sich vorstellt, belegbar ist, bevor es umgesetzt wird. Falsch, darüber nachzudenken, es für wahrscheinlich zu halten, darüber zu diskutieren und es von Fall zu Fall auch mal verhindern zu wollen, ist es deswegen noch lange nicht. Der Wissensvorsprung wird heute ja auch zum Teil schon auf die Abgeordneten der Parlamente ausgedehnt: Die TTIP-Verhandlungen laufen im Geheimen ab, die Leseräume für die Abgeordneten, die wirklich Einblick haben wollen, sind nur zögerlich eingerichtet worden und mit einem widrigen Regelwerk versehen.

Ich würde „Verschwörungstheorie“ als Spekulation über Intentionen und Strategien der Mächtigen definieren. Deswegen sind sie erstmal nicht schlecht: nur der Dumme wird sich zum Thema Politik immer denken „Passt schon so“, der Kluge wird sich ausmalen, was warum und wie passieren wird, und ob das gut für ihn ist. Es sind also im Allgemeinen gerade die Denker und Informierten, die die Vorgehensweise der Politik hinterfragen, nicht die Dumpfen. Das man nicht alles belegen kann ist eben so, im Gegensatz zur NSA weiß ich eben nicht, mit wem Frau Merkel worüber telefoniert. Deswegen ist es trotzdem legitim, Annahmen zu machen und Prognosen zu wagen.

Ein gutes Beispiel, auch weil man heute ohne Aufregung darüber reden kann, ist das Kennedy-Attentat: Keiner wird in unserer Zeit noch die Chance haben zu belegen, ob der Bericht der Warren-Kommission, die Lee Harvey Oswald als Einzeltäter herausgestellt hat, zutreffend ist oder nicht, das wird wahrscheinlich nie ans Licht kommen. Wie viele andere bin ich auch geneigt zu glauben, dass er wahrscheinlich nicht alleine war, sein kann es natürlich trotzdem. Leidenschaftlich für die eine oder andere Interessengruppe zu plädieren, die ihn wahrscheinlich beauftragt hat, kann man machen, es ist aber nicht sehr sinnvoll, da für die heutige Politik auch keine Konsequenzen mehr daraus erwachsen, es ist eine „kalte Verschwörungstheorie“. Darüber nachzudenken ist aber trotzdem nicht verkehrt: „Was war die Politik Kennedys, wer waren die Gegner von davon und wer hat von dem Attentat profitiert?“, man kann ja aus der Geschichte lernen. Eine Anklage daraus ohne neue Belege abzuleiten, wäre aber fanatisch. Aktuellere Beispiele, die uns mehr betreffen, aber ähnlich gelagert sind, sind das Oktoberfestattentat von 1980 oder NSU-Morde. Gerade im letzteren Fall wäre eine Anklage von Drahtziehern oder Reformen der Geheimdienste, falls sie mit ihren V-Leuten begünstigend gewirkt haben, durchaus noch möglich und sinnvoll.

Nehmen wir mal eine Menge von hundert verschiedenen gängigen „Verschwörungstheorien“ an. Sind alle davon falsch? Sicher nicht! Wenn sich viele Menschen, darunter auch gebildete, gut informierte und umsichtige etwas vorstellen, ist zwangsläufig ein Anteil dabei, der auch zutrifft. Sagen wir im Gedankenexperiment, 15 davon sind richtig und zutreffend. Natürlich sind am anderen Ende welche, die so haarsträubend, unwissenschaftlich und blöd sind, dass jeder der daran glaubt, auch zu recht schief angeschaut wird. Aber ist es richtig, sich diesen Anteil als klassifizierend für den Begriff der „Verschwörungstheorie“ herauszugreifen, um daraus zu schließen, dass alle hundert falsch sind? Damit fallen die 15 richtigen unter den Tisch und werden gar nicht diskutiert, und das ist die Motivation dahinter, alle Spekulationen über Strategien der Politik verächtlich zu machen. IMHO ist es viel zu wichtig, über die Zutreffenden nachzudenken, als dass man es wegen der Unsinnigen bleiben lässt. Die Unschärfe, was ist zutreffend, was unsinnig, wird immer da sein, sie ist natürlich. Deswegen sollte sie nicht vom Denken abhalten.

Die entscheidende Frage ist, was kommt nach dem Denken: Wenn es eine zementierte Meinung ist, die ohne weiter Belege die Politik pauschal verurteilt und aus dem Bewusstsein, schon recht zu haben, unreflektiert und undemokratisch Änderungen fordert, dann ist das sicher kontraproduktiv und verächtlich. Aber das war immer schon so, auch ohne den Begriff der „Verschwörungstheorie“. Einschätzungen über die Strategie der Mächtigen, die politische Diskussionen und Prozesse anstoßen, sind es aber nicht.

Das hätte auch in der Sendung gesagt werden können, statt nur die Klischees zu illustrieren.

Glyphosat im Breitbandeinsatz

Das weitverbereitete Totalherbizit Glyphosat, auch bekannt unter dem Markennamen „Roundup“ ist in letzter Zeit ins Gerede gekommen. Hieß es jahrelang, das Mittel sei bienenverträglich und generell unschädlich für alles was nicht Pflanze ist, gibt es mehr und mehr Studien, die Zusammenhänge mit Krebs herstellen und wohl auch belegen. Die EU-Mitgliedsstaaten haben darüber abgestimmt, Deutschland enthielt sich dabei sehr „weise“, deswegen war das Ergebnis bislang unbestimmt.. Hängt vielleicht mit dem Übernahmenpoker von Monsanto zusammen: Der deutsche Bayern-Konzern will den amerikanischen Monsanto Konzern übernehmen, desses wichtigstes Produkt eben dieses Roundup ist. Sehr verwunderlich: Bayer bietet 55 Milliarden Euro für eine Firma, deren wichtigstes Produkt gerade verboten wird? Eben nicht: Die EU-Kommission wird heute die Zulassung verlängern, die Sorgenträger stehen dabei nicht im Mittelpunkt.

Ich gestehe: ich nehme dieses Mittel auch ab und zu im Hausgarten um gegen Giersch und andere unbesiegbare Gartenunkräuter anzugehen. Dies aber sehr gezielt (langer Pinsel und Farbstoff mit Handauftrag) und in geringen Mengen. Im Hausgarten hat man auch gar keine andere Chance, denn wenn ein Hauch RoundUp auf andere liebgewonnene Pflanzen, Sträucher und Bäume gerät, merkt man schnell, was Totalherbizid heißt 🙁 Das kleine Fläschchen mit dem Mittel reicht mir jetzt schon 20 Jahre, deswegen ist mein schlechtes Gewissen wegen der an und für sich nicht erlaubten privaten Verwendung gering. Vielleicht hat es sich ja schon zersetzt und wirkt gar nicht mehr so richtig?

Anders sind aber die Verhältnisse in der Landwirtschaft: Wie großflächig und vielseitig hier große Mengen in die Fläche kommen, in Deutschland auf 40%, schildert der Beitrag gut. Da werden möglich Schadwirkungen sehr plausibel.

http://www.deutschlandfunk.de/glyphosat-in-der-landwirtschaft-da-wird-jaehrlich-wirklich.697.de.html?dram:article_id=357713

Weiterer Artikel:

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-05/pflanzenschutzmittel-glyphosat-risiko-krebs-eu-verbot

Unsägliche Polit-Talkshows

Mein Opa war ein politischer Mensch, wenn im Bundestag eines Haushaltsdebatte geführt wurde, damals noch mit Wehner, Strauß Genscher e.a., hörte er im Radio auf Mittelwelle neben seiner Uhrmacherarbeit gerne auch mal zu. Zu dieser Zeit war eine Bundestagsdebatte auch noch etwas Wert, ich habe den Eindruck dass diese Säule unserer parlamentarischen Demokratie damals mehr Beachtung fand. Das Radio war dafür auch keine schlechtes Medium, Fernsehen auf phoenix oder irgend ein Livestream mit Bild lenkt doch mehr ab und ist neben einer Arbeit nicht möglich. Diese Debatten haben in der Öffentlichkeit heute viel weniger Resonanz, die Frage warum, wäre einen eigenen Beitrag hier wert.

An Ihre Stelle sind die Polit-Talkshows getreten, die am prominentesten am Sonntag Abend mit den Moderatoren Christiansen, Jauch, Will ihr Publikum finden, das nach dem Tatort noch nicht ins Bett gehen will. Habe ich sie anfangs manchmal noch geschaut, findet mein Finger inzwischen in Sekundenbruchteilen die Fernbedienung für einen anderen Kanal. Das letzte Highlight, das man hätte sehen müssen, war wohl #Varoufake, dazu habe ich schon geschrieben.

Mein Grund für die Verweigerung ist: Selten ist es eine echte Diskussion, statt dessen dürfen populäre Politiker und andere Medienprofis ausführlich ihre relativ inhaltsleeren Statements abgeben, der Feigenblatt-Experte, der auch im Studio sitzt (gibt es ihn noch, oder geht es inzwischen auch ohne ihn?), darf zwar zwei Sätze mit beisteuern, obwohl er aber meist als einziger was sachlich richtigeres zum Thema zu sagen hätte, wird er schnell abgewürgt, so viele Details will der Zuschauer ja angeblich gar nicht. Was bleibt ist meist nur die Bestätigung für die, die es gerne so haben, „Alles ist gut, wir machen weiter so“, oder die Aufregung über ein neues „Thema“, das von den eigentlich relevanten ablenken soll. Die Richtung, die die Diskussion nimmt, steht von Anfang an fest, falls es nicht so läuft, weiß der „neutrale“ Gastgeber, was er zu tun hat.

Nett dass ebenso von der ARD auch die gut gemachte Satire dazu kommt, die diese Talkshowkultur an einem vermeintlich neoliberalen Thema sehr schön persifliert:

Mais und Hochwasser

So schlimm das Hochwasser für die betroffenen Gemeinden und Haushalte ist, so sicher werden keine wesentlichen Konsequenzen daraus gezogen. Auch wenn Politik und Landwirtschaft die Einzigartigkeit des Wetters betonen und damit jeden Zusammenhang  mit Landwirtschaft, Flächenversiegelung, Flussbegradigung und Klimawandel großzügig vom Tisch wischen, sind Zusammenhänge gegeben. Mit Klimawandel und steigenden Temperaturen sind solche Ereignisse nach Einschätzung der Klimaforscher auch wahrscheinlicher geworden, das Schein-Argument „bei so einem Wetter könne man gar nichts machen“, wird also häufiger zu hören sein.

Ein Artikel der Welt thematisiert den Zusammenhang zum großflächigen Maisanbau auch in hügeligen Gebieten:

An den Flutschäden ist auch der Maisanbau schuld

Dieser Mais-Wahnsinn bleibt erhalten, denn zeitgleich drückt Bayerns CSU bei der umstrittenen Neufassung des EEG (Referentenentwurf als PDF) ironischerweise die Weiterförderung der Biogasanlagen durch, obwohl dies nach Expertenmeinung auch kontraproduktiv ist. Dies sorgt dafür, dass die Mais-Monokultur vielerorts erhalten bleibt. Das dabei auch die notleidenden Milchbauern den Kürzeren ziehen, da sie bei der Pacht von Flächen gegen die geförderte Biomasse nicht mehr den Zuschlag erhalten, fällt ebenso zeitgleich mit deren Förderung zusammen. Alles widrige Zusammenhänge, die in den Mainstream-Medien aber so nicht Thema sind. Die im Vergleich viel umweltfreundlichere Windkraft wird im Entwurf leider, IMHO zugunsten der großen Stromkonzerne gedeckelt, die erneuerbaren Energien werden im Ergebnis deutlich gebremst. Schade!

Clinton oder Sanders

Guter Community-Beitrag in freitag.de zu den USA Vorwahlen:

Clinton taumelt über die imaginäre Ziellinie

US-Primaries Die Superdelegierten haben noch nicht gewählt. Dennoch rufen Medien hier und in den USA Hillary Clinton als offizielle demokratische Präsidentschaftskandidatin aus

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Ernstchen

Update 08.06.2016:
Interview im DLF zum gleichen Thema:
Meldung von Clintons Sieg „kommt möglicherweise zur Unzeit“