Sozialdemokratie in der Krise, Gastbeitrag Thomas Beschorner – SPIEGEL ONLINE

Mit dem Ende des Sozialismus ist nicht nur dem Kapitalismus der Gegenspieler abhandengekommen, auch die Sozialdemokratie hat verloren: Sie hat keine populäre Geschichte mehr zu erzählen. Das ist ein Problem für die Demokratie insgesamt.

Quelle: Sozialdemokratie in der Krise, Gastbeitrag Thomas Beschorner – SPIEGEL ONLINE

Mal wieder ein guter Spiegel-Artikel, der es verdient, hier zitiert zu werden, wenn auch ein Gastbeitrag.

Verantwortung liegt bei den Assad-Gegnern

So in etwa der Untertitel zu einem Interview auf heute.de. Ausgerechnet dort hätte ich kein solches Interview erwartet, dass den Syrienkrieg objektiver betrachtet, als die derzeitige kollektive Empörung über Russland.

http://www.heute.de/interview-mit-syrien-experte-guenter-meyer-sieht-verantwortung-fuer-syrien-krieg-beim-westen-46114990.html

Im Gegensatz dazu wird in den Medien jeden Tag ein neuer Schriftsteller und eine neue Expertin aus dem Hut gezaubert, zuvor nie gesehen, die sich weit ausgeschmückt über Kriegsgräuel ereifern, die natürlich nur von einer Seite, Assad und Russland, begangen wurden. Als hätte der Krieg und seine furchtbaren Folgen erst mit dem Eingreifen Russlands begonnen.

Der Gipfel war der „Bürgermeister von Ost-Allepo“ ein wunderbarer Titel. Er durfte sogar im Bundestag reden, damit sich Frau Merkel entsprechend empören konnte. Gibt es einen Bürgermeister von „Ost-München“? Welche Verwaltungsarbeit leistet ein „Bürgermeister“, in einer geteilten Stadt, die seit Jahren im Krieg heftigst umkämpft ist und in der kein Stein mehr auf dem anderen steht? Warum ist er in einer Zeit, in der Allepo mit Bussen evakuiert wird, in feinstem Zwirn in Paris, um auch mal schnell im Bundestag zu sprechen? Es ist evident, dass dies nur ein lupenreiner Vertreter der Assad-Gegner („Rebellen“) sein kann, der einen Job macht, der mit diesem eher lächerlichen Titel möglichst seriös legitimiert werden soll.

Meine Frage: Warum sollen wir immer nur die eine Seite hören? Hat die andere so wenig zu sagen, dass sie in unseren Nachrichtensendungen gar nicht vorkommt?

Update: Ergänzender Link: http://www.deutschlandfunk.de/krieg-in-syrien-russland-hat-das-machtspiel-gewonnen.694.de.html?dram:article_id=374219

Router-Zertifizierung

Wie schnell es doch manchmal geht: Erst gestern kam die Meldung von den Störungen im Telekom-Netz, heute schon spricht man von einem Hacker-Angriff und BSI-Präsident Schönbohm fordert in der Zeitung „Die Welt“ die Hersteller von Routern zu Gütesiegeln und Zertifikaten zur Verbesserung der IT-Sicherheit  zu verpflichten. „Unter anderem könne man die Hersteller verpflichten, regelmäßig und zeitnah Sicherheits-Updates automatisch aufzuspielen.“ Das ging ja rucki-zucki. Der BND weiß sogar schon, dass es angeblich ein Angriff aus Russland war.

Wenn man bedenkt, welche Brisanz der hauseigene Router für technische Rahmenbedingungen des Datenschutzes hat und welches Einfallstor ein Router ist, wo der Hersteller jederzeit unbemerkt Updates einspielen kann, lässt einen so eine Forderung aufhorchen. Ein möglicher Einschleusungsweg für Bundes- oder andere Trojaner ist auch der Router eines Haushaltes, wenn man ihn beliebig manipulieren kann.

Gerade  wurde Anfang 2016 die gesetzliche Neuregelung zum Routerzwang heftig diskutiert, und nur halbwegs klar gelöst. Da käme mit der Zertifizierung und Zwangs-Updates wieder ein Zugriff auf die Router über die Hintertür: Mit entsprechend starken Auflagen kann der Anbietermarkt auf nur weniger Player reduziert werden, wenn man mit denen „gut kann“, hätte man wieder Zugriff auf die Router.

Freie und quell-offene Routerbetriebssysteme, zum Beispiel DD-WRT, die für technisch Kundige eine Alternative darstellen, die sich den offiziellen Begehren verweigern kann, kann man mit solchen Beschränkungen der Hersteller leicht ausschließen. Dabei sind es doch gerade die Router des größten Providers, der Telekom, die mit Ihren monopolartigen Strukturen und großer Verbreitung weniger Routermodelle die Angriffe erst möglich gemacht haben.

So schnell die Rufer aus BSI und BND reagieren, sollte eine gesunde Skepsis gegenüber deren Forderungen angebracht sein.

Siehe auch meinen Post „Wider den Routerzwang„.

 

DJ-Einsatz

Am Wochenende habe ich den Hobby-DJ auf dem 40.sten Geburtstag einer guten Bekannten gegeben, was auch recht gut geklappt hat. Mit einer kleinen aber feinen PA, einer LD Systems Dave 12 G3 als Leihstellung von Musik Kolbeck, war ich gut gerüstet. Nach meinem Eindruck waren alle zufrieden, die Stimmung war gut und auch die Einlage hat Dank Mikrofon gut geklappt.

Nachteil: Als DJ ist man bei den letzten, die heimgehen, dabei, das war gegen halb 3 morgens. Das ist eigentlich nichts für mich, hängt mir lange nach.

Link

Regelmäßig lese ich die Nachdenkseiten, die eine willkommene Alternative zur Mainstream-Meinung darstellen und gute Artikel aus der Presse- und Blogger-Landschaft zitieren. Täglich geschieht dies neben Buchvorstellungen und Essays zu einzelnen Themen in den Hinweisen des Tages. Die heutigen (22.11.2016) erscheinen mir besonders lesenswert, mit vielen guten Artikeln, Aufsätzen, Interviews und Radiobeiträgen, so dass ich hier mal wieder darauf hinweisen möchte.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=35930

Naturgemäß kann ich nicht allem zustimmen: Punkt 9 befasst sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen, einer Idee der ich viel abgewinnen kann. Die Nachdenkseiten – mit ihrem Schwerpunktthema Renten – bekämpfen die Idee aber mit einer für mich nicht immer nachvollziehbaren Vehemenz.

Rote Linien hinter der Torlinie

In einem wunderbaren Beitrag wird in Deutschlandradio Kultur die derzeitigen Mediendarstellung der „Autobahnprivatisierung“ geschildert. Ganz toll das Bild im vorletzten Absatz:

Also habe die SPD „zwei dicke rote Linien gezogen: die doppelte Privatisierungbremse. (…) Wenn das jetzt Fußball wäre, dann hätten die die beiden Linien hinter der Torlinie gezogen. Und da steht jetzt Gabriel und sagt: Ich fange den Ball auf. Und er fängt ihn auch auf, aber ein Tor ist es trotzdem.“

Ein Interview mit Carl Waßmuth, Sprecher der Initiative „Gemeingut in BürgerInnenhand“

Jagdszenen in Bautzen

Bei den schweren Ausschreitungen in Bautzen werden Menschen durch die Straßen gejagt, es gibt einen provozierten Streit um einen öffentlichen Raum, der eine „befreite Zone“ sein soll. In welchem Land war das, in Deutschland? Gänsehaut.
Ich verstehe, dass die Situation auch für die Polizei schwierig ist, habe aber kein Verständnis, dass man nicht mehr unternimmt. Wenn man den Aufmarsch der Polizei auf jeder Blockupy-Demo anschaut oder die Präsenz der großen Gipfel (Heiligendamm, Schloß Elmau) betrachtet, ist der Gedanke, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, nicht ganz von der Hand zu weisen.
Dass die Anweisungen der Polizei und die Ausgangssperre für Flüchtlinge deckungsgleich mit den Forderungen der Rechten sind, ist für mich mehr als ein Schönheitsfehler.